Gewalt und Sicherheit in Schweden: Zahlen, Ursachen und Gegenmaßnahmen
Schüsse und Sprengstoffanschläge in kriminellen Milieus haben Schweden jahrelang beschäftigt. Die Zahl der Schießereien ist inzwischen stark gesunken. Ein Überblick mit aktuellen Polizeizahlen und was Reisende wissen sollten.

Schweden gilt als sicheres Reiseland, und für die allermeisten Besucher ist es das auch. Gleichzeitig hat das Land in den vergangenen Jahren international Schlagzeilen mit Schießereien und Sprengstoffanschlägen gemacht, die fast immer mit kriminellen Netzwerken zusammenhängen. Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert: Die Zahl der Schießereien ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Polizeistatistik gefallen. Dieser Beitrag ordnet die Entwicklung mit aktuellen Zahlen ein.
Stand: Oktober 2026
Die Zahlen der Polizei
Die schwedische Polizei zählt Schießereien und Sprengungen seit 2017 systematisch. Der Höhepunkt lag im Jahr 2022 mit 391 Schießereien. Seitdem sinken die Zahlen deutlich:
- 2025: 158 Schießereien mit 46 Toten und 44 Verletzten.
- Erstes Halbjahr 2026: 39 Schießereien mit 8 Toten und 15 Verletzten. Das ist der niedrigste Wert für ein Halbjahr seit Beginn der Statistik und weniger als die Hälfte des Vorjahreszeitraums.
Anders sieht es bei Sprengungen aus: 2025 registrierte die Polizei 189 Sprengungen, nach 136 im Jahr 2024. Dabei handelt es sich meist um Sprengsätze an Hauseingängen oder Wohnungstüren, mit denen kriminelle Gruppen drohen oder Schulden eintreiben.
Woher die Gewalt kommt
Die Gewalt geht überwiegend von kriminellen Netzwerken aus, die mit Drogen, Betrug und Erpressung Geld verdienen und um Märkte und Einfluss konkurrieren. Ein besonderes Problem ist, dass die Netzwerke gezielt Jugendliche, oft unter 15 Jahren, für Gewalttaten anwerben, häufig über soziale Medien. Betroffen sind vor allem bestimmte Wohngebiete in Stockholm, Göteborg, Malmö und Uppsala, aber auch kleinere Städte. Die Taten richten sich in aller Regel gegen Personen aus diesen Milieus oder deren Angehörige. Unbeteiligte wurden allerdings mehrfach zu Opfern, was die Debatte in Schweden besonders geprägt hat.
Fachleute nennen mehrere Ursachen, darunter soziale Ausgrenzung in einzelnen Vierteln, misslungene Integration, den Drogenmarkt und lange Zeit zu geringe Polizeipräsenz. Wie stark die einzelnen Faktoren wiegen, ist politisch umstritten.
Was der Staat dagegen unternimmt
Regierung und Reichstag haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Gesetze verschärft. Dazu gehören höhere Strafen für Bandenkriminalität und Waffendelikte, erweiterte Befugnisse zur verdeckten Überwachung, sogenannte Visitationszonen, in denen die Polizei zeitweise ohne konkreten Verdacht Personen und Fahrzeuge durchsuchen darf, sowie schärfere Regeln für Jugendliche, die von Netzwerken benutzt werden. Die Polizei stellt zudem deutlich mehr Personal ein. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention in Schulen und Sozialdiensten, um Kinder gar nicht erst in die Netzwerke geraten zu lassen. Welche Maßnahme wie stark zum Rückgang der Schießereien beigetragen hat, wird in Schweden weiter diskutiert.
Häusliche Gewalt
Ein weniger sichtbares, aber großes Problem ist Gewalt in Beziehungen. Schweden hat dafür eigene Straftatbestände, Frauenhäuser und eine landesweite Hotline für Betroffene. Wer Hilfe braucht, erreicht die Hotline „Kvinnofridslinjen“ rund um die Uhr unter 020-50 50 50, kostenlos und anonym.
Was das für Reisende und Menschen in Schweden bedeutet
Für Urlauber ist das Risiko, Opfer schwerer Gewalt zu werden, sehr gering. Die Gewalt der Netzwerke ist gezielt und spielt sich kaum an touristischen Orten ab. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen reichen: Wertsachen im Blick behalten, in Großstädten nachts belebte Straßen nutzen und Taschendiebstahl an Bahnhöfen ernst nehmen. Wer nach Schweden zieht und eine Wohnung sucht, kann sich bei der Gemeinde und in lokalen Medien über einzelne Stadtteile informieren.
- Notruf: 112 für Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr
- Polizei ohne Notfall: 114 14, etwa für Anzeigen oder Hinweise
- Aktuelle Warnungen: krisinformation.se
Mehr Hinweise für die Planung finden Sie in unseren häufigen Fragen zu Schweden.
Quellen
- Polisen: Minskat antal skjutningar men fler sprängningar under 2025 (Januar 2026)
- Polisen: Skjutningarna på historiskt låga nivåer (Juli 2026)
- Krisinformation.se – offizielle Krisen- und Warninformationen