Montag, 26. Oktober 2026
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Politik in Schweden

Schweden ist eine parlamentarische Demokratie und eine konstitutionelle Monarchie mit König Carl XVI. Gustaf als Staatsoberhaupt. Er hat nur repräsentative Aufgaben. Wie in Deutschland gibt es ein Parlament, den Reichstag (Riksdag). Er hat 349 Abgeordnete und wird alle 4 Jahre gewählt, zuletzt am 13. September 2026. Im Reichstag sind derzeit acht Parteien vertreten: Sozialdemokraten, Moderate, Schwedendemokraten, Linkspartei, Zentrumspartei, Christdemokraten, Grüne und Liberale. Die Wahl 2026 ging knapp zugunsten des Mitte-links-Lagers aus, die bisherige Regierung unter Ministerpräsident Ulf Kristersson kündigte ihren Rücktritt an. Wie die neue Regierung aussieht, ist bei Redaktionsschluss noch offen.

Schweden ist in 21 Regionen (län) aufgeteilt. Die Minister können wie in Finnland die Exekutive nur indirekt leiten (Ostnordische Verwaltungsform). Diese Aufgabe übernehmen unabhängige Zentralämter.

Des Weiteren besteht eine kommunale Selbstverwaltung, die sich in zwei Bereiche gliedert: Regionen und Gemeinden. Letztere kümmern sich um den Bildungssektor, Altenpflege usw., die Regionen hingegen um übergeordnete Bereiche wie Gesundheitswesen und öffentlichen Nahverkehr. Interessant ist auch die Informationsfreiheit in Schweden. D.h., jeder Bürger kann Schriftstücke der Behörden ohne Grund und Ausweis einsehen. Um die Interessen der Bürger gegenüber den Behörden zu vertreten, existieren so genannte Ombudsmänner, die auch für die jeweiligen Bereiche spezialisiert sind.

Das Land wurde lange als Vorreiter der Sozialdemokratie gesehen, was sich aber durch Erneuerungen in den Neunzigern geändert hat. Über die Euroeinführung, die von der Ermordung der Außenministerin Anna Lindh überschattet wurde, stimmte das Volk 2003 ab. Es entschied sich dagegen.

Außenpolitisch hat sich Schweden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 von der Neutralität abgewandt: Nach dem Beitrittsantrag im Mai 2022 wurde das Land am 7. März 2024 Mitglied der NATO. Der EU gehört Schweden seit 1995 an.

Wahlen und Regierungsbildung

Der Reichstag wird nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Von den 349 Sitzen werden 310 über Wahlkreise und 39 als Ausgleichsmandate vergeben, damit das Ergebnis die Stimmenanteile möglichst genau widerspiegelt. Eine Partei braucht mindestens vier Prozent der Stimmen, um ins Parlament einzuziehen. Gewählt wird am zweiten Sonntag im September, und zwar zugleich in den Regionen und Gemeinden. Bei den Reichstagswahlen dürfen schwedische Staatsbürger ab 18 Jahren wählen, bei Kommunal- und Regionalwahlen auch dauerhaft in Schweden lebende Ausländer.

Nach der Wahl führt der Reichstagspräsident (Talman) Gespräche mit den Parteien und schlägt dem Reichstag einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vor. Der Kandidat gilt als gewählt, wenn nicht mehr als die Hälfte der Abgeordneten, also mindestens 175, gegen ihn stimmt. Scheitern vier Vorschläge hintereinander, wird eine Neuwahl angesetzt. Der König spielt bei der Regierungsbildung seit der Verfassungsreform von 1974 keine Rolle mehr. Bis eine neue Regierung gewählt ist, bleibt die bisherige geschäftsführend im Amt. Wie das im Herbst 2026 abläuft, lesen Sie in unserer Meldung zur Regierungsbildung in Schweden.

Die vier Grundgesetze

Schweden hat keine einheitliche Verfassungsurkunde, sondern vier Grundgesetze: die Regierungsform (1974), die Thronfolgeordnung (1810), das Pressefreiheitsgesetz (Tryckfrihetsförordningen, 1766) und das Grundgesetz über die Meinungsfreiheit (1991). Das Pressefreiheitsgesetz gilt als das älteste der Welt und verankert auch das Öffentlichkeitsprinzip, nach dem Behördenunterlagen grundsätzlich öffentlich sind. Grundgesetze können nur geändert werden, wenn der Reichstag zweimal mit einer Wahl dazwischen zustimmt.

Ombudsleute und Behörden

Das Amt des Ombudsmanns wurde in Schweden 1809 geschaffen. Die parlamentarischen Ombudsleute kontrollieren, ob Behörden und Gerichte die Gesetze einhalten, und nehmen Beschwerden von Bürgern entgegen. Hinzu kommen Fachombudsleute, etwa für Verbraucherfragen oder gegen Diskriminierung. Die Ministerien sind klein, die eigentliche Verwaltung liegt bei weitgehend unabhängigen Behörden wie der Steuerbehörde Skatteverket.

Politische Kultur

Schweden gilt als Land der Kompromisse. Regierungen sind häufig Koalitions- oder Minderheitsregierungen, die auf Absprachen mit anderen Parteien angewiesen sind. Die Wahlbeteiligung ist traditionell hoch und lag 2022 bei gut 84 Prozent. Auch der Arbeitsmarkt ist von Absprachen geprägt: Löhne und Arbeitsbedingungen handeln Gewerkschaften und Arbeitgeber in Tarifverträgen selbst aus, die den größten Teil der Beschäftigten betreffen.

Weiterführende Beiträge: Das politische System Schwedens und Schwedens Weg in die NATO.

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