Schwedische Geschichte
Skandinavien wurde erstmals 79 n. Chr. erwähnt. Es wurde von Hillevionen geschrieben, womit vermutlich Schweden gemeint war. In den letzten Jahrhunderten des vorletzten Millenniums (800-1000) breiteten sich die Waräger (schwedische Wikinger) nach Osten aus. Der Kontakt mit den Christen kam zwar schon um 830 n. Chr. zu Stande und der König Olof Skötkonung wurde 1008 getauft, aber bis 1200 war ein Großteil der Bevölkerung heidnisch. 1160 wurde sogar König Erik IX. von Adligen einer antichristlichen Vereinigung ermordet.
Ende des 14. Jahrhunderts vereinigte Margarethe I. von Dänemark durch geschickte Heirats- und Machtpolitik die Kronen Dänemarks, Norwegens und Schwedens; 1397 wurde in Kalmar die Kalmarer Union besiegelt. Sie bestand mit Unterbrechungen bis 1523. 1520 ließ der dänische König Christian II. in Stockholm zahlreiche schwedische Adlige und Geistliche hinrichten („Stockholmer Blutbad“). Diese Massenhinrichtung trug wesentlich zum Aufstand unter Gustav Wasa bei, der 1523 zum König gewählt wurde. Gustav I. Wasa führte gestützt auf das Gedankengut von Martin Luther die Reformation ein, die 1544 vollendet wurde.
Im 17. Jahrhundert stieg Schweden durch mehrere Kriege zur europäischen Großmacht auf (Großmachtzeit 1611–1721). Mit der Niederlage im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) ging diese Stellung wieder verloren. Finnland ging 1809 an Russland verloren, und 1814 kam Norwegen in eine Union mit Schweden, die 1905 friedlich endete. Seit dem kurzen Feldzug gegen Norwegen 1814 hat Schweden keinen Krieg mehr geführt; aus dieser Zeit nach den Napoleonischen Kriegen stammt die schwedische Neutralitätspolitik. Im 2. Weltkrieg blieb Schweden offiziell neutral, unterstützte das von der Sowjetunion angegriffene Finnland 1939/40 aber mit Freiwilligen und Material.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Schweden zum Wohlfahrtsstaat. 1995 trat das Land der Europäischen Union bei, den Euro lehnte das Volk 2003 in einer Abstimmung ab. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gab Schweden seine jahrzehntelange Bündnisfreiheit auf und wurde am 7. März 2024 Mitglied der NATO.
Wikinger, Birka und Sigtuna
Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert war Birka auf der Insel Björkö im Mälaren einer der wichtigsten Handelsplätze Nordeuropas. Die Ausgrabungsstätte gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Nach dem Niedergang Birkas wurde um 980 Sigtuna gegründet, das als eine der ältesten Städte des Landes gilt. Die schwedischen Wikinger fuhren vor allem über die Ostsee und die russischen Flüsse nach Osten und trieben Handel bis nach Konstantinopel.
Hanse und Visby
Im Mittelalter war Visby auf Gotland ein wichtiger Stützpunkt der Hanse. Die Ringmauer der Stadt ist bis heute erhalten, und die Altstadt gehört seit 1995 zum UNESCO-Welterbe. Mehr zur Insel finden Sie auf der Seite Gotland.
Großmachtzeit: Wasa-Schiff und Karl XII.
Das Kriegsschiff Vasa sank 1628 auf seiner Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm und wurde 1961 gehoben. Heute ist es im Vasamuseum zu sehen. König Gustav II. Adolf fiel 1632 in der Schlacht bei Lützen, und Karl XII. kam 1718 bei der Belagerung von Fredriksten in Norwegen ums Leben. Danach endete die Großmachtzeit, und der Reichstag gewann in der sogenannten Freiheitszeit an Macht. 1772 stärkte Gustav III. in einem Staatsstreich die Stellung des Königs, 1792 wurde er bei einem Maskenball in der Oper ermordet.
Das Haus Bernadotte
Da der König Karl XIII. keine Kinder hatte, wählte der Reichstag 1810 den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum Kronprinzen. Er bestieg 1818 als Karl XIV. Johann den Thron. Die Dynastie Bernadotte regiert Schweden bis heute, derzeit mit König Carl XVI. Gustaf.
Auswanderung, Industrialisierung und Wohlfahrtsstaat
Zwischen 1850 und 1930 wanderten rund 1,3 Millionen Schweden vor allem in die USA aus. Später entwickelten sich Eisen-, Holz- und Maschinenbauindustrie. Das allgemeine Wahlrecht wurde für Männer 1909 und für Frauen 1921 eingeführt. Die Sozialdemokraten stellten von 1932 bis 1976 ununterbrochen die Regierung und bauten den Wohlfahrtsstaat aus. Schweden blieb im Ersten und im Zweiten Weltkrieg neutral, trat 1946 den Vereinten Nationen bei und stellte am 3. September 1967 vom Links- auf den Rechtsverkehr um.
Mehr dazu: Schwedens Weg in die NATO und Politik in Schweden.