Das schwedische Gesundheitssystem wird überwiegend aus Steuern finanziert und von den Regionen organisiert. Eine gesetzliche Krankenkasse wie in Deutschland gibt es nicht. Wer in Schweden gemeldet ist, hat Zugang zur öffentlichen Versorgung. Für Urlauber gelten die europäischen Regeln. Diese Seite gibt einen Überblick und ersetzt keine medizinische Beratung.
Im Notfall
- 112: der Notruf für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, kostenlos und rund um die Uhr.
- 1177: die medizinische Beratung am Telefon. Krankenschwestern schätzen Beschwerden ein und sagen, wohin Sie sich wenden sollen. Aus dem Ausland oder mit ausländischem Handy gilt eine andere Rufnummer, die auf der Website 1177.se steht.
- Akutmottagning: die Notaufnahme im Krankenhaus, für ernste und lebensbedrohliche Fälle.
Der erste Weg: die Vårdcentral
Bei gewöhnlichen Beschwerden gehen Sie nicht direkt zum Facharzt, sondern zum Gesundheitszentrum, der vårdcentral. Dort arbeiten Allgemeinärzte, Krankenschwestern und oft Physiotherapeuten unter einem Dach. Einwohner wählen eine Vårdcentral aus und lassen sich dort registrieren. Einen Termin vereinbaren Sie telefonisch oder über das Onlineportal. Viele Anliegen klärt zunächst eine Krankenschwester. Zum Facharzt gelangen Sie in der Regel mit einer Überweisung.
Für leichtere akute Fälle außerhalb der Öffnungszeiten gibt es Bereitschaftspraxen (närakut oder jourmottagning).
Was kostet der Arztbesuch?
Für jeden Besuch zahlen Erwachsene eine Patientengebühr, deren Höhe die Regionen festlegen. Damit niemand überfordert wird, gibt es eine Obergrenze (högkostnadsskydd): Haben Sie innerhalb von zwölf Monaten einen bestimmten Betrag erreicht, sind weitere Besuche für den Rest des Zeitraums kostenlos. Eine ähnliche Obergrenze gilt für verschreibungspflichtige Medikamente. Für Kinder und Jugendliche ist die Behandlung in der Regel kostenlos.
Wartezeiten
Die Qualität der Behandlung ist hoch, die Wartezeiten sind jedoch ein bekanntes Problem. Für planbare Untersuchungen und Operationen kann es Wochen oder Monate dauern. Eine gesetzliche Garantie legt fest, wie lange Patienten höchstens warten sollen, sie wird aber nicht überall eingehalten. Als Ergänzung nutzen viele Schweden digitale Arztpraxen per App.
Zahnarzt
Die Zahnbehandlung ist für Kinder und Jugendliche kostenlos. Erwachsene zahlen den größten Teil selbst und erhalten einen jährlichen staatlichen Zuschuss sowie Schutz vor sehr hohen Kosten. Es gibt den öffentlichen Zahndienst (Folktandvården) und private Zahnärzte. Die Preise unterscheiden sich, ein Vergleich lohnt sich.
Apotheken und Medikamente
Apotheken erkennen Sie am Schild Apotek. Rezepte werden elektronisch gespeichert, Sie nennen in der Apotheke nur Ihre Personnummer und zeigen den Ausweis. Einfache Schmerzmittel und Erkältungsmittel gibt es auch in Supermärkten. Manche Medikamente, die in Deutschland frei verkäuflich sind, erhalten Sie in Schweden nur auf Rezept, und umgekehrt.
Für Urlauber
- Nehmen Sie die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) mit. Damit werden Sie bei notwendigen Behandlungen im öffentlichen System wie ein Einwohner behandelt und zahlen nur die übliche Patientengebühr.
- Legen Sie Karte und Ausweis beim Arzt vor. Ohne Karte müssen Sie die vollen Kosten zunächst selbst bezahlen.
- Eine private Auslandsreiseversicherung ist sinnvoll, vor allem für einen möglichen Rücktransport.
- Nehmen Sie regelmäßig benötigte Medikamente in ausreichender Menge mit.
Für Neuankömmlinge
Sobald Sie beim Skatteverket gemeldet sind und eine Personnummer haben, gehören Sie zum öffentlichen System. Registrieren Sie sich bei einer Vårdcentral in Ihrer Nähe und melden Sie sich bei der Sozialversicherung Försäkringskassan an, die unter anderem das Krankengeld zahlt. Wie die Anmeldung funktioniert, lesen Sie unter Auswandern nach Schweden.