Regierungsbildung in Schweden: Reichstag lehnt Thand Ringqvist ab – Kristersson sondiert bis 10. November
324 Nein-Stimmen gegen Zentrumschefin Thand Ringqvist: Auch der zweite Anlauf scheitert. Nun sondiert Ulf Kristersson bis zum 10. November.
Der schwedische Reichstag hat am Dienstag, 3. November 2026, die Vorsitzende der Zentrumspartei, Elisabeth Thand Ringqvist, als Ministerpräsidentin abgelehnt. 324 Abgeordnete stimmten mit Nein, nur die 25 Abgeordneten ihrer eigenen Partei mit Ja. Damit ist der zweite von höchstens vier Anläufen seit der Wahl vom 13. September gescheitert. Der Sondierungsauftrag liegt nun beim Vorsitzenden der Moderaten, Ulf Kristersson, der bis zum 10. November Zeit hat.
Auch die vorgesehenen Partner stimmten mit Nein
Zur Abstimmung stand eine Regierung aus Zentrum, Sozialdemokraten, Christdemokraten, Grünen und Liberalen. Nach Angaben des Reichstags votierten jedoch alle übrigen Fraktionen geschlossen dagegen: Sozialdemokraten (99), Moderate (70), Schwedendemokraten (62), Linkspartei (30), Christdemokraten (22), Grüne (22) und Liberale (19). Enthaltungen oder Abwesende gab es nicht. Abgelehnt ist ein Vorschlag, sobald mindestens 175 der 349 Abgeordneten mit Nein stimmen.
Das Ergebnis kam nicht überraschend. Thand Ringqvist hatte bereits vor der Abstimmung festgestellt, dass es für eine solche Regierung keine Mehrheit gibt. Bereits am 15. Oktober war die Sozialdemokratin Magdalena Andersson in der ersten Abstimmung gescheitert.
Kristersson: „Sehr schwierig, aber vielleicht nicht ganz unmöglich“
Kristersson, der die geschäftsführende Regierung aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen führt, soll nun ausloten, ob er eine Regierung bilden kann, die der Reichstag duldet. Die Ausgangslage ist schwierig: Die vier Tidö-Parteien kommen auf 173 Sitze, die Opposition auf 176. Laut der Zeitung Bulletin nannte Kristersson die Aufgabe „sehr schwierig, aber vielleicht nicht ganz unmöglich“. Die Gespräche sollen in der ersten Woche diskret geführt werden; die Moderaten seien zugleich auf eine Neuwahl vorbereitet.
Die Blockade hat zwei wesentliche Ursachen. Die Zentrumspartei will keine Regierung unterstützen, der die Schwedendemokraten angehören oder die von ihnen abhängig ist. Zugleich fordert die Linkspartei einen Platz in einer rot-grünen Regierung, was das Zentrum ablehnt. Thand Ringqvist nennt Andersson als Kandidatin ihrer Partei, sofern diese ohne die Linkspartei regieren kann.
So geht es nach dem 10. November weiter
Nach Kristerssons Bericht kann Reichstagspräsident Andreas Norlén ihn zur Abstimmung stellen oder die Sondierung fortsetzen. Grundsätzlich soll auf eine Sondierung eine Abstimmung folgen, vor dem dritten Anlauf will Norlén aber vorsichtig sein. Nach Angaben der Nachrichtenagentur TT könnte er Andersson erneut beauftragen, ohne zuvor über Kristersson abstimmen zu lassen, falls sich im rot-grünen Lager etwas bewegt.
Scheitern alle vier Vorschläge, muss innerhalb von drei Monaten eine Neuwahl stattfinden. Den Termin legt der Reichstagspräsident gemeinsam mit der Wahlbehörde fest. Bis eine neue Regierung ihr Amt antritt, bleibt Kristersson geschäftsführend im Amt.
Was das für Reisende und Menschen in Schweden bedeutet
Die gescheiterte Abstimmung ändert keine geltenden Regeln. Touristen und Grenzpendler müssen sich deshalb nicht auf neue Bestimmungen einstellen. Eine geschäftsführende Regierung kümmert sich laut Reichstag vor allem um laufende und dringende Angelegenheiten und ergreift üblicherweise keine neuen politischen Initiativen.
Für Menschen, die in Schweden leben oder einen Umzug planen, heißt das: Politische Ankündigungen aus dem Wahlkampf sind vorerst keine Planungsgrundlage. Für 2027 liegt ein Übergangshaushalt vor, in dem Wahlversprechen warten müssen. Wer finanzielle oder rechtliche Entscheidungen trifft, sollte vom geltenden Recht ausgehen und sich bei der zuständigen Behörde informieren, etwa bei Skatteverket oder Migrationsverket.
Der nächste wichtige Termin ist der 10. November. Wahlberechtigte sollten die Entwicklung danach verfolgen: Mit jeder weiteren gescheiterten Abstimmung rückt eine Neuwahl näher, ein Termin steht derzeit aber nicht fest.
Quellen
- Sveriges riksdag – Nej till Elisabeth Thand Ringqvist (C) som statsminister (03.11.2026)
- Sveriges riksdag – Så bildas regeringen
- Sweden Herald/TT – 51 days after Sweden’s election, here’s what happens next in the government formation process (03.11.2026)
- Bulletin – Kristersson får nästa chans att bilda regering (03.11.2026)