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Schwedens Übergangshaushalt 2027: Ausgaben bleiben auf Vorjahresniveau – Wahlversprechen müssen warten

Ohne neue Regierung legt Schweden für 2027 einen Übergangshaushalt ohne neue Politik vor. Was das für Steuern, Spritpreise und Wahlversprechen bedeutet.

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Knapp sieben Wochen nach der Reichstagswahl hat Schweden noch immer keine neue Regierung – deshalb wird der Staatshaushalt für 2027 voraussichtlich ein reiner Übergangshaushalt. Die geschäftsführende Regierung von Ulf Kristersson hat am 27. Oktober 2026 die Grundsätze dafür vorgestellt: Die Ausgaben sollen im Wesentlichen auf dem Niveau von 2026 bleiben, neue Politik ist nicht vorgesehen. Viele Wahlversprechen müssen damit warten.

Was die Regierung beschlossen hat

Nach Angaben des Finanzministeriums sollen die im Haushalt 2026 bewilligten Mittel grundsätzlich auch für 2027 gelten. Die Grundsätze sind nach Regierungsangaben mit allen im Reichstag vertretenen Parteien abgestimmt. Finanzministerin Elisabeth Svantesson (Moderate) stellte sie am 27. Oktober auf einer Pressekonferenz vor. „Es ist kein gewöhnlicher Haushaltsentwurf mit neuer Politik“, sagte sie laut dem Magazin Fokus.

Der Haushaltsentwurf für 2027 muss dem Reichstag spätestens am 12. November vorgelegt werden. Ist bis dahin keine neue Regierung im Amt, reicht die geschäftsführende Regierung den Übergangshaushalt ein. Er gilt, bis eine neue Regierung ihr Amt angetreten und der Reichstag deren Nachtragshaushalt beschlossen hat.

Welche Ausnahmen gelten

Ganz eingefroren wird der Haushalt nicht. Laut Finanzministerium werden Verwaltungs- und Investitionsmittel wie üblich an Preise und Löhne angepasst. Regelgebundene Leistungssysteme folgen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Zahl der Berechtigten. Anpassungen gibt es außerdem bei bereits beschlossenen Gesetzen, internationalen Verpflichtungen und EU-Recht sowie dort, wo es nötig ist, um notwendige gesellschaftliche Funktionen aufrechtzuerhalten.

Svantesson nannte zwei konkrete Beispiele: Einige Mittel für den Ausbau der Streitkräfte werden erhöht, was laut der Ministerin von allen Parteien unterstützt wird. Zudem sind rund vier Millionen Kronen für die Feier zum 50. Geburtstag von Kronprinzessin Victoria im kommenden Jahr vorgesehen. Laut SVT bezeichnete Svantesson dies als vertretbare Ausnahme.

Ein wichtiger Grundsatz betrifft befristete Maßnahmen: Eindeutig vorübergehende Initiativen aus früheren Haushaltsjahren, die zum Jahresende auslaufen, werden nicht verlängert.

Wahlversprechen müssen warten

Für viele Haushalte bedeutet der Übergangshaushalt vor allem: Versprochene Entlastungen kommen vorerst nicht. Laut Fokus fehlen im Haushalt unter anderem höheres Kindergeld, Steuersenkungen, die Abschaffung des Karenzabzugs beim Krankengeld sowie günstigere Vorschulen, Zahnbehandlungen und günstigerer Nahverkehr. Solche Vorhaben kann eine künftige Regierung erst über einen späteren Nachtragshaushalt umsetzen.

Politisch ist das Thema noch nicht abgeschlossen. Die Parteien können laut Fokus bis zum 27. November Änderungsanträge oder eigene vollständige Haushaltsalternativen einreichen. Denkbar ist etwa ein gemeinsamer Antrag der bisherigen Tidö-Parteien. Ob eine Partei den Übergangshaushalt anfechten wird, ist bislang offen.

Hintergrund: Regierungsbildung festgefahren

Die Lage ist eine Folge der schwierigen Regierungsbildung. Der Reichstag hatte Mitte Oktober die Sozialdemokratin Magdalena Andersson als Ministerpräsidentin abgelehnt, am 26. Oktober gab Zentrumschefin Elisabeth Thand Ringqvist ihren Sondierungsauftrag zurück. Mehr dazu in unserem Bericht: Thand Ringqvist gibt Sondierungsauftrag zurück. Reichstagspräsident Andreas Norlén kündigte danach Gespräche mit den Parteivorsitzenden über das weitere Vorgehen an.

Was das für Reisende und Menschen in Schweden bedeutet

Tanken wird ab Dezember voraussichtlich teurer. Unabhängig vom Übergangshaushalt läuft eine befristete Senkung der CO₂-Steuer auf Benzin und Diesel aus. Laut Skatteverket wurde die Steuer vom 1. Juli bis zum 30. November 2026 um 2,40 Kronen je Liter gesenkt. Ohne neuen politischen Beschluss gilt ab dem 1. Dezember wieder der höhere Satz – inklusive Mehrwertsteuer sind das rund 3 Kronen je Liter. Wie stark sich das an der Zapfsäule zeigt, hängt aber auch von Ölpreis, Wechselkurs und Preispolitik der Tankstellen ab. Wer mit dem Auto durch Schweden reist, sollte das in der Reisekasse berücksichtigen; Tipps zur Autoreise finden Sie in unserem Ratgeber Mit dem Auto nach Schweden.

Für Einwohner und Zuziehende gilt: Angekündigte Wahlversprechen wie niedrigere Steuern oder höheres Kindergeld sind derzeit keine beschlossene Politik. Bereits geltende Regeln und Leistungen laufen dagegen weiter. Wer mit Änderungen ab Januar 2027 rechnet, sollte die Vorlage des Haushalts am 12. November und die Informationen von Regierung und Skatteverket abwarten.

Für Touristen ändert sich im Alltag zunächst wenig: Der Staat bleibt handlungsfähig, öffentliche Dienste laufen weiter.

Quellen

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