Teurer Stromwinter in Schweden: Regierung stellt neue Stromhilfe in Aussicht
Im Süden Schwedens liegen die Strompreise über der Schwelle für staatliche Hilfe. Ministerin Ebba Busch warnt vor einem turbulenten Winter.
Schwedens Haushalte müssen sich auf einen teuren Stromwinter einstellen. Energie- und Wirtschaftsministerin Ebba Busch (KD) warnte am Donnerstag vor einem „potenziell turbulenten Winter“. Im Süden des Landes liegen die Strompreise im Oktober bereits über der Schwelle, ab der der staatliche Hochkostenschutz greift. Auf die Frage, ob in diesem Winter erneut Stromhilfe nötig werden könnte, antwortete Busch laut TT: „Die kurze Antwort ist ja.“
Preise im Süden über der Schwelle
Im südlichsten Strompreisgebiet SE4, zu dem unter anderem Schonen gehört, lag der Spotpreis an der Strombörse im bisherigen Oktober im Schnitt bei 1,54 Kronen pro Kilowattstunde. Das berichtet die Nachrichtenagentur TT. Der sogenannte Hochkostenschutz (högkostnadsskydd) gilt seit November 2025 und läuft das ganze Jahr 2026. Er kann greifen, wenn der durchschnittliche Strompreis in einem Preisgebiet über einen ganzen Monat 1,50 Kronen pro Kilowattstunde übersteigt. Ob das für den Oktober eintritt, hängt also davon ab, wie sich die Preise bis Monatsende entwickeln.
Busch stellte ihre Einschätzung zur Energielage gemeinsam mit Caroline Asserup vor, der Generaldirektorin der Energiebehörde Energimyndigheten. Zuvor hatten beide im zuständigen Ausschuss des Reichstags berichtet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Direkt geht Busch davon aus, dass auch die derzeit nur geschäftsführende Regierung die Hilfe aktivieren kann. Die Regierung wolle sich „in naher Zukunft“ wieder mit der Frage befassen. Wie hoch eine Zahlung ausfiele und wann sie käme, ist noch offen. Die Einzelheiten legt die Regierung per Verordnung fest.
Warum Strom in diesem Winter teurer werden könnte
Busch nannte mehrere Gründe, die zusammenkommen: weniger Niederschlag als normal und eine ungewöhnlich frühe Schneeschmelze, niedrige Wasserstände in den Stauseen Schwedens und Norwegens, eine vergleichsweise geringe Verfügbarkeit der schwedischen Kernkraftwerke wegen Wartungsarbeiten sowie niedrige Gasspeicher in der EU. Hinzu kommt der Konflikt im Nahen Osten, der den Weltmarktpreis für Erdgas nach oben treibt. Der Netzbetreiber Svenska kraftnät verweist außerdem auf die begrenzte Übertragungskapazität vom wasserkraftreichen Norden in den Süden.
Gleichzeitig betonten Regierung und Behörden, dass kein Strommangel droht. Laut Asserup sieht die Energiebehörde für diesen Winter kein Risiko einer Stromknappheit. Ein erhöhtes Risiko hoher Preise bedeute nicht, dass der Strom knapp werde. Wie sich die Preise entwickeln, hänge stark vom Wetter ab. Auch Svenska kraftnät schätzt das Risiko einer Unterversorgung als gering ein, hält das Risiko hoher Preise für Haushalte aber für weiterhin deutlich.
Erfahrungen aus dem vergangenen Winter
Schweden hat bereits im vergangenen Winter eine befristete Strom- und Gashilfe gezahlt, berechnet nach dem Verbrauch im Januar und Februar 2026. Laut Regierung mussten Haushalte dafür keinen Antrag stellen: Die Netzbetreiber meldeten den Verbrauch, die Sozialversicherungskasse Försäkringskassan zahlte automatisch aus. Im Preisgebiet SE4 gab es 29 Öre pro Kilowattstunde, gedeckelt auf 10.000 Kilowattstunden pro Wohnung. Für ein typisches Einfamilienhaus im Süden waren das nach Regierungsangaben rund 1.850 Kronen. Unternehmen waren ausgeschlossen. Ob eine neue Hilfe nach denselben Regeln funktionieren würde, ist noch nicht entschieden.
Was das für Reisende und Menschen in Schweden bedeutet
Wer in Schweden wohnt, insbesondere in Südschweden, sollte für die kommenden Monate mit höheren Stromrechnungen planen. Bei einem variablen Vertrag (rörligt elpris) schlagen Preisspitzen direkt auf die Rechnung durch. Ein Blick auf den eigenen Verbrauch und die Heizung lohnt sich jetzt, gerade in Häusern mit Elektroheizung. Ein Festpreisvertrag schützt vor Spitzen, ist aber nicht automatisch günstiger. Angebote sollten Sie daher vergleichen.
Ob und wie viel staatliche Hilfe fließt, entscheidet die Regierung erst noch. Sollte das Verfahren wie im Vorjahr laufen, wäre kein Antrag nötig. Hilfreich ist dann ein bei der Bank registriertes Auszahlungskonto (Swedbanks kontoregister), damit Geld von Försäkringskassan schneller ankommt. Wer neu nach Schweden zieht, sollte bei der Wohnungssuche fragen, ob Strom in der Miete enthalten ist und wie geheizt wird. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wohnen in Schweden: Mieten und Hauskauf.
Für Reisende ändert sich in Hotels meist nichts direkt. Bei Ferienhäusern wird Strom im Winter aber oft nach Verbrauch abgerechnet. Prüfen Sie vor der Buchung, ob Strom im Preis enthalten ist. Die steigenden Energiepreise treiben zudem die allgemeine Teuerung, wie unser Bericht zur Inflation im September zeigt.
Quellen
- Finanstid (TT): Ebba Busch varnar för stökig vinter med höga elpriser (22.10.2026)
- EFN (Direkt): Hushåll kan få elstöd i vinter (22.10.2026)
- Sweden Herald (TT): Southern Sweden Electricity Prices Top Threshold for Government Subsidy as Winter Nears (22.10.2026)
- Regeringen.se: Frågor och svar om det tillfälliga el- och gasstödet