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Wolfsjagd in Schweden: Behörden geben 72 Wölfe für den kommenden Winter frei

Schwedische Provinzverwaltungen erlauben im Winter 2027 die Lizenzjagd auf bis zu 72 Wölfe – rund jeden fünften Wolf im Land. Jäger begrüßen die Entscheidung, Naturschützer kündigen Widerstand an.

In Schweden dürfen im kommenden Winter bis zu 72 Wölfe im Rahmen einer behördlich genehmigten Lizenzjagd geschossen werden. Das haben die zuständigen Provinzverwaltungen (Länsstyrelser) am 15. Oktober bekanntgegeben. Die Jagd soll am 2. Januar 2027 beginnen und bis spätestens 15. Februar dauern. Gemessen am aktuellen Bestand entspricht das etwa jedem fünften Wolf im Land.

Was beschlossen wurde

Die Abschüsse konzentrieren sich auf Gebiete in Mittel- und Südschweden, in denen besonders viele Wolfsreviere liegen. Laut der Provinzverwaltung Värmland entfallen 66 Tiere auf den mittleren Verwaltungsbezirk und sechs auf den südlichen. Die meisten Wölfe dürfen in der Provinz Örebro erlegt werden (36 Tiere in fünf Revieren), gefolgt von Västmanland einschließlich eines mit Dalarna geteilten Reviers (18) sowie Västra Götaland (12) und Södermanland (6). Ziel ist es nach Angaben der Behörden, betroffene Reviere zu leeren und so die Belastung für Menschen und Nutztiere zu verringern.

Värmland, lange eine der wolfsreichsten Regionen, ist diesmal nicht dabei. Nach Rückgängen gehöre die Provinz nicht mehr zu den Gebieten mit der höchsten Wolfsdichte, erklärte die dortige Verwaltung.

Hintergrund: Bestand und Referenzwert

Bei der Zählung im Winter 2025/26 wurden in Schweden rund 355 Wölfe erfasst. Die Provinzverwaltung Värmland rechnet damit, dass der Bestand bis Oktober 2027 trotz Jagd bei etwa 362 Tieren liegen dürfte – ohne Jagd wären es rund 472.

Umstritten ist seit Jahren, wie viele Wölfe Schweden mindestens braucht. Die Regierung hatte den sogenannten Referenzwert zunächst auf 170 Tiere gesenkt, was auf Kritik der EU stieß, und ihn im Sommer 2026 auf 220 angehoben. Die Reduzierung soll schrittweise erfolgen. Für die Jagd 2027 orientieren sich die Behörden laut The Local und dem Verband Svenska Rovdjursföreningen noch an der älteren Marke von 300 Tieren – auch, um erneute juristische Probleme zu vermeiden. Im vergangenen Winter hatten Gerichte die geplante Wolfsjagd nach Beschwerden gestoppt.

Reaktionen: Zustimmung und Kritik

Der schwedische Jägerverband begrüßte die Entscheidung. Naturschutzorganisationen sehen sie dagegen kritisch: Beatrice Rindevall, Vorsitzende des Naturschutzverbands Naturskyddsföreningen, warnte laut SVT, der ohnehin stark ingezüchtete Bestand könne weiter geschwächt werden. Svenska Rovdjursföreningen hat angekündigt, den neuen Referenzwert gerichtlich anzufechten. Ob die Jagd tatsächlich wie geplant stattfindet, könnte daher erneut vor Gericht entschieden werden.

Was das für Besucher bedeutet

Für Reisende ändert sich im Alltag wenig: Begegnungen mit Wölfen sind in Schweden selten, und die Tiere meiden in der Regel Menschen. Wer im Januar und Februar in den betroffenen Regionen wandert oder Langlauf betreibt, sollte jedoch damit rechnen, dass in einzelnen Waldgebieten gejagt wird. Was Besucher in der schwedischen Natur dürfen, erklärt unser Beitrag zum Jedermannsrecht in Schweden.

Quellen

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