Das Jedermannsrecht in Schweden: Was in der Natur erlaubt ist

Wer zum ersten Mal durch Schweden reist, staunt oft: kaum Zäune, kaum Verbotsschilder, und am Seeufer steht ein einsames Zelt. Möglich macht das das Jedermannsrecht, auf Schwedisch Allemansrätten. Es erlaubt allen Menschen, sich frei in der Natur zu bewegen, auch auf privatem Grund. Dieses Recht ist allerdings kein Freibrief. Es beruht auf einem einfachen Grundsatz: Inte störa, inte förstöra – nicht stören, nicht zerstören.

Was ist das Jedermannsrecht?

Das Jedermannsrecht ist ein altes Gewohnheitsrecht und seit 1994 in der schwedischen Verfassung erwähnt. Ein einzelnes Gesetz, das alle Details regelt, gibt es jedoch nicht. Was erlaubt ist, ergibt sich aus verschiedenen Vorschriften, etwa zum Naturschutz, und aus dem gesunden Menschenverstand. Wer das Recht nutzt, trägt deshalb selbst die Verantwortung dafür, Natur, Tiere und andere Menschen zu respektieren.

Wandern, Radfahren und Baden

Sie dürfen fast überall zu Fuß gehen, Rad fahren, reiten, Ski laufen und baden. Das gilt auch für Wälder und Wiesen in Privatbesitz. Tabu sind bestellte Felder, Anpflanzungen und vor allem das Wohngrundstück anderer Menschen. Der Bereich rund um ein Haus ist geschützt, auch wenn kein Zaun steht. Halten Sie so viel Abstand, dass sich die Bewohner nicht gestört fühlen. Ideen für Touren finden Sie in unserem Beitrag Wandern in Schweden.

Zelten in der freien Natur

Wildzelten ist das, was viele Reisende mit dem Jedermannsrecht verbinden. Erlaubt ist es, für eine oder zwei Nächte ein Zelt aufzuschlagen, solange der Platz nicht landwirtschaftlich genutzt wird und nicht in Sichtweite eines Wohnhauses liegt. Wer länger bleiben oder mit einer größeren Gruppe campen möchte, fragt den Grundbesitzer um Erlaubnis.

Wichtig für alle, die mit dem Auto oder Wohnmobil unterwegs sind: Das Jedermannsrecht gilt nicht für Motorfahrzeuge. Das Fahren abseits von Straßen ist verboten, und auch private Wege dürfen gesperrt sein. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über die Autoreise nach Schweden.

Feuer machen

Ein Lagerfeuer gehört für viele zum Schwedenurlaub. Grundsätzlich ist es erlaubt, wenn keine Brandgefahr besteht. Nutzen Sie nach Möglichkeit vorhandene Feuerstellen und machen Sie niemals Feuer direkt auf Felsen, denn der Stein kann durch die Hitze springen und bleibt für immer beschädigt. In trockenen Sommern verhängen die Behörden häufig ein Feuerverbot (eldningsförbud). Dann ist offenes Feuer überall untersagt, oft auch an festen Grillplätzen. Informieren Sie sich vor Ort bei der Gemeinde oder der Touristeninformation.

Beeren, Pilze und Blumen

Blaubeeren, Preiselbeeren, Moltebeeren und Pilze dürfen Sie für den eigenen Bedarf sammeln, ebenso Blumen, sofern sie nicht unter Naturschutz stehen. Orchideen zum Beispiel sind in ganz Schweden geschützt. Nicht erlaubt ist es, Äste abzubrechen, Rinde von lebenden Bäumen zu schälen oder Vogelnester und Eier anzurühren.

Angeln und Boot fahren

Mit Paddelboot, Kanu oder Segelboot dürfen Sie sich auf fast allen Gewässern bewegen und für kurze Zeit anlegen. Beim Angeln ist die Lage differenzierter. An der Küste und in den fünf größten Seen des Landes – Vänern, Vättern, Mälaren, Hjälmaren und Storsjön – ist das Angeln mit der Handangel frei. An allen anderen Gewässern brauchen Sie eine Angelkarte (fiskekort), die es meist im nächsten Ort oder online zu kaufen gibt.

Unterwegs mit Hund

Hunde sind willkommen, müssen aber unter Kontrolle sein. Vom 1. März bis zum 20. August gilt in der Natur Leinenpflicht, weil in dieser Zeit die Wildtiere ihre Jungen aufziehen. Auch im restlichen Jahr sollte der Hund so nah bei Ihnen bleiben, dass er kein Wild aufscheucht.

Nationalparks und Naturreservate

In Nationalparks und Naturreservaten gelten eigene, oft strengere Regeln. Dort kann das Zelten nur an bestimmten Plätzen erlaubt sein, und Feuer oder das Pflücken von Pflanzen sind manchmal ganz verboten. Die Vorschriften stehen auf Tafeln an den Eingängen.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • Abstand zu Wohnhäusern halten und keine Felder betreten.
  • Höchstens ein bis zwei Nächte am selben Platz zelten.
  • Feuer nur an sicheren Stellen und nie bei Feuerverbot.
  • Müll wieder mitnehmen, auch Essensreste.
  • Hunde von März bis August anleinen.
  • Keine Äste abbrechen und keine geschützten Pflanzen pflücken.

Wer diese wenigen Regeln beachtet, erlebt Schweden so, wie es die Schweden selbst am liebsten haben: frei, ruhig und mitten in der Natur.

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