Fika: Die schwedische Kaffeepause und ihre Traditionen

Wer in Schweden arbeitet, studiert oder Freunde besucht, lernt ein Wort sehr schnell: Fika. Gemeint ist die gemeinsame Pause bei Kaffee und etwas Süßem. Fika ist aber mehr als ein Getränk. Es ist eine feste Gewohnheit, bei der man die Arbeit ruhen lässt und sich Zeit füreinander nimmt.

Was bedeutet Fika?

Das Wort ist zugleich Substantiv und Verb. Man kann eine Fika machen oder einfach fika. Entstanden ist es vermutlich im 19. Jahrhundert als Silbendreher aus kaffi, einer alten Form des Wortes Kaffee. Getrunken wird meistens Filterkaffee, doch auch Tee, Saft oder Kakao gelten. Entscheidend ist nicht das Getränk, sondern die Pause in Gesellschaft.

Dass die Tradition so lebendig ist, hat auch mit der Liebe zum Kaffee zu tun. Die Schweden gehören seit Langem zu den Völkern mit dem höchsten Kaffeeverbrauch pro Kopf weltweit.

Fika am Arbeitsplatz

In vielen schwedischen Betrieben gibt es zwei feste Fikazeiten, häufig gegen zehn Uhr am Vormittag und gegen drei Uhr am Nachmittag. Dann treffen sich Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen im Pausenraum, oft auch die Vorgesetzten. Die Stimmung ist locker, die Hierarchien sind flach, und so manches Problem wird hier schneller gelöst als in einer Besprechung. Wer neu in einer Firma ist, sollte die Fika deshalb nicht ausfallen lassen. Sie ist der einfachste Weg, die Kollegen kennenzulernen. Mehr zum Berufsleben lesen Sie in unserem Beitrag zur Jobsuche in Schweden.

Was gibt es zur Fika?

Zum Kaffee gehört das Fikabröd, also Gebäck. Die bekanntesten Klassiker sind:

  • Kanelbulle: die Zimtschnecke, mit Kardamom im Teig und Hagelzucker obenauf.
  • Kardemummabulle: die Variante mit einer Füllung aus Kardamom.
  • Chokladboll: eine ungebackene Kugel aus Haferflocken, Kakao, Butter und Zucker, gewälzt in Kokosraspeln.
  • Prinsesstårta: eine Torte aus Biskuit, Vanillecreme und Sahne unter einer grünen Marzipandecke.
  • Kladdkaka: ein flacher, innen weicher Schokoladenkuchen.

Eine alte Regel besagt, dass eine gute Gastgeberin sieben verschiedene Sorten Kekse anbieten sollte. Aus dieser Sitte entstand das Backbuch Sju sorters kakor (Sieben Sorten Kekse), das seit 1945 erscheint und in sehr vielen schwedischen Küchen steht.

Gebäck nach Jahreszeit

Manche Leckereien gibt es nur zu bestimmten Zeiten im Jahr:

  • Semla: ein Hefebrötchen mit Mandelmasse und Sahne, das traditionell in den Wochen bis zum Fastnachtsdienstag (Fettisdagen) gegessen wird.
  • Lussekatter: gelbes Safrangebäck in S-Form zum Luciafest am 13. Dezember.
  • Kanelbullens dag: Am 4. Oktober feiert das ganze Land den Tag der Zimtschnecke.

Fika als Gast: so machen Sie mit

Werden Sie zu einer Fika eingeladen, sagen Sie am besten zu. Eine Einladung auszuschlagen wirkt schnell abweisend. Pünktlichkeit wird geschätzt, und wer bei Privatleuten zu Gast ist, zieht an der Tür die Schuhe aus. Ein kleines Mitbringsel ist nett, aber kein Muss.

Im Café bestellen und bezahlen Sie in der Regel an der Theke. Praktisch ist der Påtår: Viele Cafés schenken eine zweite Tasse Filterkaffee kostenlos oder für wenig Geld nach. Fragen Sie einfach danach.

Ein Stück schwedische Lebensart

Fika passt gut zu einem anderen schwedischen Wort, nämlich lagom: nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern genau richtig. Eine Viertelstunde Pause, ein Kaffee, ein Stück Gebäck und ein Gespräch. Wer das auf einer Reise ein paar Mal ausprobiert, nimmt die Gewohnheit oft mit nach Hause.

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