Strom und Sprit treiben Inflation in Schweden: Teuerung steigt im September auf 1,5 Prozent

Die Inflation in Schweden hat im September deutlich angezogen. Nach den endgültigen Zahlen des Statistikamts SCB stiegen die Verbraucherpreise nach dem Maß KPIF, an dem sich die Reichsbank orientiert, um 1,5 Prozent zum Vorjahr – nach 0,7 Prozent im August. Treiber waren vor allem Strom und Kraftstoff. Damit wächst der Druck auf die Notenbank, die bereits eine Zinserhöhung im November in Aussicht gestellt hat.

Was die Zahlen zeigen

Die Statistikbehörde veröffentlichte die Daten am Mittwoch, 14. Oktober. Der allgemeine Verbraucherpreisindex KPI legte im Jahresvergleich um 1,1 Prozent zu, nach 0,3 Prozent im Vormonat. Von August auf September kletterten beide Kennzahlen jeweils um 0,9 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie (KPIF-XE) blieb dagegen unverändert bei 0,5 Prozent.

Laut SCB verteuerte sich Strom binnen eines Monats um 11,7 Prozent, Kraftstoff um 13,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Strompreise rund 17 Prozent und die Kraftstoffpreise rund 20 Prozent höher. Auch Pauschalreisen, Mieten und Restaurantbesuche wurden teurer. Dämpfend wirkten dagegen die Lebensmittelpreise, die 6,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, sowie deutlich günstigere Zahnbehandlungen und Nahverkehrstickets, was SCB zum Teil auf jüngste Reformen zurückführt.

Hintergrund: Zinswende in Sicht

Die Reichsbank (Riksbank) hatte den Leitzins im September einstimmig bei 1,75 Prozent belassen. Aus dem Protokoll der Sitzung geht laut dem Finanzdienst Finwire hervor, dass mehrere Mitglieder des Direktoriums eine Anhebung noch in diesem Jahr erwarten. Reichsbankchef Erik Thedéen hielt demnach einen Schritt bereits im November für vernünftig; es gehe nun eher um das Tempo als um die Frage, ob die Zinsen steigen. Als Risiken nannte die Notenbank unter anderem die schwächere Krone, steigende Energiepreise und eine starke Nachfrage.

Der nächste Zinsentscheid ist für den 4. November angekündigt. Das Inflationsziel der Reichsbank liegt bei 2 Prozent.

Warum das wichtig ist

Die niedrige Inflation der vergangenen Monate war laut Reichsbank teilweise durch vorübergehende staatliche Maßnahmen gedrückt; ohne diese lag die KPIF-Rate im August nach Angaben aus dem Sitzungsprotokoll bei 2,2 Prozent. Entscheidend ist daher, ob sich der Preisanstieg über Energie hinaus auf andere Waren und Dienstleistungen ausweitet. Dass die Kerninflation ohne Energie im September stabil blieb, spricht vorerst gegen einen breiten Preisdruck. Gleichzeitig wächst die schwedische Wirtschaft kräftig – die Regierung hatte ihre Prognose zuletzt angehoben (mehr dazu hier).

Was das für Reisende und Einwohner bedeutet

Wer in Schweden lebt oder ein Haus besitzt, sollte sich auf mögliche steigende Kreditzinsen einstellen, da ein großer Teil der schwedischen Wohnkredite mit kurzer Zinsbindung läuft. Für Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machen sich vor allem höhere Spritpreise bei der Anreise mit dem Auto bemerkbar. Lebensmittel sind dagegen derzeit günstiger als vor einem Jahr. Wer noch alte Kronen-Scheine besitzt, findet hier die Fristen für den Umtausch.

Quellen

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