Schwedens Wirtschaft erholt sich schneller als bislang angenommen. Die geschäftsführende Regierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,5 auf 3,0 Prozent angehoben. Finanzministerin Elisabeth Svantesson (Moderate) stellte die neuen Zahlen am Donnerstag, 8. Oktober 2026, in Stockholm vor. Für 2027 fällt die Erwartung dagegen etwas vorsichtiger aus als noch im August.
Die neuen Zahlen im Überblick
Nach der Prognose des Finanzministeriums entwickeln sich die wichtigsten Kennzahlen so:
- Wirtschaftswachstum 2026: 3,0 Prozent (August-Prognose: 2,5 Prozent)
- Wirtschaftswachstum 2027: 2,3 Prozent (bisher: 2,5 Prozent)
- Arbeitslosigkeit 2026: 8,5 Prozent
- Arbeitslosigkeit 2027: 7,7 Prozent
- Finanzieller Spielraum für Reformen in der kommenden Legislaturperiode: unverändert 50 Milliarden Kronen
Das Ministerium begründet die Anhebung damit, dass im ersten Halbjahr 2026 sowohl die Zuversicht als auch der Konsum der Haushalte gestiegen seien. Auch Unternehmen und öffentliche Hand hätten mehr investiert. Die Konjunkturschwäche soll demnach im kommenden Jahr überwunden sein.
Svantesson: Wirtschaft „läuft wie der Zug“
Die Finanzministerin zeichnete ein betont positives Bild. Die schwedische Wirtschaft laufe „wie der Zug“, sagte sie laut der Nachrichtenagentur TT auf der Pressekonferenz. Die nächste Regierung übernehme einen „sehr schön gedeckten Tisch“. Schweden hebe sich nach ihrer Darstellung derzeit von anderen EU-Ländern ab.
Die Aussage fällt in eine politisch offene Phase: Seit der Reichstagswahl vom 13. September ist die bisherige Regierung nur noch geschäftsführend im Amt, die Regierungsbildung ist noch nicht abgeschlossen. Wer die genannten 50 Milliarden Kronen verteilen wird und wofür, ist deshalb offen.
Arbeitsmarkt erholt sich nur langsam
Weniger schwungvoll verläuft die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Das Finanzministerium spricht selbst von einer vorsichtigen Erholung. Die Arbeitslosigkeit soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 und im Laufe des Jahres 2027 spürbar zurückgehen. Mit 8,5 Prozent liegt die Quote im laufenden Jahr weiterhin auf einem für Schweden hohen Niveau. Für alle, die über eine Jobsuche in Schweden nachdenken, bleibt die Lage damit je nach Branche unterschiedlich.
Risiken: Energiepreise, Inflation und steigende Zinsen
Die Regierung verweist auf große Unsicherheit im Umfeld. Als wichtigste Risiken nennt sie die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und deren Folgen für die Energiemärkte. Svantesson erwähnte laut TT außerdem den Krieg in der Ukraine, die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft sowie steigende Zinsen, die die Binnennachfrage dämpfen könnten.
Die Inflation bezeichnet das Ministerium trotz hoher Energiepreise als niedrig und erklärt das mit einer geringen Kerninflation und befristeten Steuersenkungen; sie werde sich dem Zwei-Prozent-Ziel der Riksbank annähern. Erst am Tag vor der Prognose hatte das Statistikamt SCB vorläufige Zahlen veröffentlicht: Die für die Geldpolitik maßgebliche Rate KPIF stieg im September auf 1,5 Prozent, nach 0,7 Prozent im August. Ohne Energie gerechnet blieb sie bei 0,5 Prozent. Laut The Local erwarten Bankökonomen deshalb eine Anhebung des Leitzinses, der derzeit bei 1,75 Prozent liegt, bereits im November.
Was das für Menschen in Schweden bedeutet
Für Haushalte in Schweden ist das Bild zweigeteilt. Wachstum und sinkende Arbeitslosigkeit sprechen für eine Entspannung, höhere Zinsen würden jedoch vor allem Immobilienbesitzer mit variabel verzinsten Krediten treffen, die in Schweden weit verbreitet sind. Wie viel vom prognostizierten Spielraum tatsächlich in Steuersenkungen oder höhere Ausgaben fließt, entscheidet erst die künftige Regierung mit ihrem Haushalt.
Quellen
- Regeringen.se (Finansdepartementet): Stark återhämtning i svensk ekonomi trots global osäkerhet
- The Local Sweden: Sweden leaves recession behind with stronger growth and falling unemployment
- Börskollen/TT: Svensk ekonomi överraskar – regeringen justerar tillväxtprognosen uppåt
- The Local Sweden: Higher interest rate looms as crucial Swedish inflation figures double