Mutmaßliche Übergriffe bei Aufnahmeritual: Zwei Schüler der Eliteschule Sigtuna in Untersuchungshaft

Nach mutmaßlich schweren Übergriffen bei einem Aufnahmeritual an der Internatsschule Sigtunaskolan Humanistiska Läroverket (SSHL) nördlich von Stockholm sitzen zwei Schüler in Untersuchungshaft. Das zuständige Amtsgericht ordnete die Haft am Sonntag, dem 11. Oktober, an. Ein dritter Schüler kam frei, der Verdacht gegen ihn bleibt jedoch bestehen.

Was bisher bekannt ist

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen größeren Polizeieinsatz auf dem Schulgelände am Nachmittag des 8. Oktober. Dabei wurden laut Staatsanwaltschaft drei 18-jährige Schüler der gymnasialen Oberstufe festgenommen. Die mutmaßlichen Taten sollen sich nach Angaben von SVT Anfang Oktober auf dem Gelände der Schule ereignet haben. Den beiden inhaftierten Schülern werden unter anderem schwere sexuelle Übergriffe und schwere Nötigung vorgeworfen. Der dritte steht im Verdacht der Körperverletzung und der Nötigung; für ihn lehnte das Gericht den Haftantrag ab.

Laut den Gerichtsunterlagen gibt es drei Geschädigte, die minderjährig sind. Mehrere schwedische Medien bringen die Vorfälle mit einem Aufnahmeritual für neue Schüler in Verbindung, das außer Kontrolle geraten sein soll. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung; nach Medienberichten bestreiten sie die Vorwürfe.

Staatsanwaltschaft spricht von Machtstrukturen

Die zuständige Staatsanwältin sagte, die Ermittlungen deuteten auf eine Hierarchie unter den Schülern hin, in der ältere Schüler Rollen innehätten, um jüngere zu bestrafen und zu kontrollieren. Laut The Local, das sich auf Aussagen gegenüber der Zeitung Expressen beruft, gibt es an der Schule inoffizielle Titel für solche Aufgaben. Die Anwältin eines Beschuldigten erklärte, ihr Mandant räume gewisse Umstände ein, bestreite aber eine Straftat. Sie sprach von einer „toxischen Kultur“, deren Opfer sowohl die Geschädigten als auch die Beschuldigten seien.

Reaktion der Schule

Die Schulleitung bezeichnete die Ereignisse als äußerst ernst. Mehrere Schüler wurden suspendiert, die Schule arbeite mit der Polizei zusammen, und der Unterricht laufe normal weiter. Rektorin Sofia Kinberg betonte nach Angaben von Mitt i, Tradition dürfe niemals eine Entschuldigung für erniedrigendes Verhalten sein; für Schlüsse über weitere Maßnahmen sei es noch zu früh.

Hintergrund: Eine der bekanntesten Schulen Schwedens

SSHL ist eine unabhängige Schule mit Gymnasium und Internat in Sigtuna. Laut SVT besuchen sie rund 600 Schülerinnen und Schüler, von denen etwa 220 in den Internatshäusern wohnen. Die Schule gilt als Eliteeinrichtung; zu ihren ehemaligen Schülern zählen König Carl XVI. Gustaf und der frühere Ministerpräsident Olof Palme. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die der Fall in Schweden erhält.

Die Ermittlungen dauern an. Wie junge Menschen in Schweden aufwachsen und was ihren Alltag prägt, beschreibt unser Beitrag Jugend in Schweden.

Quellen

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